Ihre Interpretation liegt bei den acht jungen Herren im Frack in überaus berufenen Händen, berücken sie ihr Publikum doch mit feinsten Nuancierungen, wie sie eben nur klassisch ausgebildete Musiker ihren Instrumenten entlocken können: Violine, Flöte, Klarinette, Violoncello, Kontrabass, Klavier und Schlagzeug bilden zusammen mit der goldenen Kehle des Opernsängers jene Besetzung, die das authentische Klangbild garantiert. Ob im 5 Uhr Tee-Konzert oder in der Abendgala - das Lübecker Salon-Ensemble entführt Sie mit Witz, Charme und Ironie ins Land der unsterblichen Musik.
Übereinstimmung und Andersartigkeit, beides ist gefragt, wenn aus acht Herren ein Ensemble werden soll. Ein Ensemble im Dienste der Musik in diesem Fall, weshalb unschwer zu erraten ist, dass sich jeder einzelne dieser Kunst verschrieben hat, um genau zu sein: dem Musizieren auf seinem Instrument. Und die Andersartigkeit dieser Instrumente ist wiederum Voraussetzung für das abwechslungsreiche Klangbild, das die Musiker ihrem leidenschaftlich gepflegten Musikstil schuldig sind. Man braucht es fast nicht zu erwähnen: Ein Salon-Ensemble pflegt selbstverständlich die Salon-Musik, die klassische Unterhaltungsmusik also mit schmissigen Instrumentalstücken, sehnsuchtsvollen Operettenliedern und kessen Tonfilmschlagern.
Doch bei aller wohl passenden Übereinstimmung und Andersartigkeit wird aus acht Herren nur dann ein Ensemble, wenn man sich zur rechten Zeit am rechten Ort begegnet. Als rechten Ort, wo junge und offene Musiker zusammenkommen, hat sich die Musikhochschule Lübeck erwiesen; und die rechte Zeit war mit dem Abschluss des Studiums gekommen, als man sich nach reiflicher Prüfung für einen Berufszweig zu entscheiden hatte. Der Erfolg des Lübecker Salon-Ensembles zeigt: Die acht Herren haben die richtige Entscheidung getroffen.
Viel Spaß mit Salonmusik und Tonfilmschlagern
Von Cornelia Steffahn, LN
Lübeck - Acht Männer im Frack haben das Publikum der ausverkauften Kammerspiele um den Finger gewickelt. Unter dem Titel "Wochenend und Sonnenschein" präsentierte das Lübecker Salon-Ensemble aufs Char-manteste eingängige Melodien der 30er Jahre.
Die klassisch ausgebildeten Musiker - alles Absolventen der Lübecker Musikhochschule - waren nicht etwa der schwächere Aufguss von Max Raabe, sondern haben einen eigenen Stil entwickelt. Das Unverwechselbare, diese persönliche Note kam an.
Flötist und Conférencier Philipp Groß führte wortreich und sehr eloquent durch den Abend. Bekannte "Tonfilmschlager" wie "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da" (aus "Tanz auf dem Vulkan") oder "Tausendmal war ich im Traum bei dir" (aus "Amphitryon") kündigte er an, indem er detailverliebt die meist sehr verwickelte Handlung erzählte, begleitet von demonstrativ genervten Blicken seiner Musikerkollegen. Mit wenigen, aber geschickt eingesetzten Requisiten bekam jeder Auftritt eine komödiantische Facette. Die Musiker ironisierten die Schlager, ohne den Liedern ihren Charakter zu nehmen - und vor allem ohne in die Klamotte abzugleiten.
Der ausgebildete Bariton Christian Grygas brauchte kein Mikrophon. Er sang mit seiner tragenden Stimme Schlager wie "Capri-Fischer", "Schöne Isabella aus Kastilien" oder "Dein ist mein ganzes Herz". Dabei wirkte er nie opernhaft, sondern immer stilecht, als Sänger und begabter Komödiant war er die zentrale Gestalt des Abends.
Beifall gab es am Ende so anhaltend und nachdrücklich, dass die Musiker sich zu drei Zugaben hinreißen ließen. Schade, dass das nächste Lübecker Konzert erst in einem Jahr geplant ist.
"Lübecker Nachrichten" vom 20.01.2003
Melodien von Männern mit Charme
Kulturtage: Lübecker Salon-Ensemble verzaubert das Tanzhaus-Publikum
Barbara Merz, Donauwörth
Ein Feuerwerk zündender Melodien präsentierte das achtköpfige Lübecker Salon-Ensemble dem Donauwörther Publikum mit Verve und Esprit. Eine Verfeinerung allerersten Grades waren dabei die hintersinnig-charmante Conférence von Philipp Groß sowie die vielen kleinen Einlagen und Gesten.
Wo sollte man mit dem Erzählen beginnen bei einem Konzert, das nur als rundum gelungen und mitreißend bezeichnet werden kann, aber mit seinen zahllosen Facetten kaum in eine Besprechung gezwängt werden kann? Nun, beginnen wir einfach mit den Herren selbst. So sorgte Winfried Haug sensibel und dezent am Schlagzeug für das rechte Tempo, makellos unterstützt von Til Baumann, der seinen Kontrabass arco und pizzicato beherrschte. Sich meist den verbindenden Akkorden am Klavier widmend, trat Clemens Wiencke auch als Tenor mit Counter-Qualitäten im Ensemblegesang in Erscheinung.
Robert Bejtlich, der mit knappen Gesten agierende Violindirecteur steuerte feuriges Zigeunerflair, schmelzende Melodien oder flirrende Tremoli bei ohne sich ungebührlich in den Vordergrund zu drängen. Tatkräftig und tonschön wurde er in der Streicherabteilung von Johannes Lauckner am Cello unterstützt, der es in besonderem Maße verstand, mit solistischen Teilen hervorzutreten, um sich dann aber sofort wieder in den homogenen Begleitapparat einzufügen. Klarinettist Jörg Peltzer meisterte diesen Balanceakt ebenso bravourös und konnte darüber hinaus seinem Instrument auch noch sehr unterschiedliche Klangfarben entlocken, die vermuten ließen, dass er wohl auch dem Jazz verbunden ist.
Häufig im Mittelpunkt des Interesses stand Christian Grygas, dessen angenehme, wandlungsfähige Stimme sicher zum Erfolg des Abends beitrug.
Verschmitzt und frech überzeugte er die Frauen vom Charme des "Bel Ami", beklagt sein Schicksal, weil ihn "kein Schwein" anruft. Unvergesslich aber auch seine Einlagen als kastagnetten-bewehrte Spanierin, die vom Schlagzeuger jedoch gelegentlich im Stich gelassen wird. Oder als "Nummernboy" mit den programmatischen Titeln des "persischen Marktes" (ein schlichtweg genialer Einfall). Oder wenn er eine Zuhörerin in seiner Rolle als Operettenfigur aus dem Zuschauerraum hinausgeleitet, damit sie ihr Mann nicht sehen möge, um atemlos über den Balkon im letzten Augenblick zum Finale wieder hereinzustürmen. Es bleibt jetzt nur noch der Herr im Frack, der wahrscheinlich den größten Anteil an der Entstehung der unvergleichlich dichten und doch lockeren Atmosphäre hatte. Philipp Groß, schon an der Flöte ein Meister, unterstützte den Ensemblegesang im tiefen Register einfühlsam und sicher, und brillierte als Conférencier. Mit involvierten, altertümelnden Phrasen, kurzweilig erzählten Operetten- beziehungsweise Filmhandlungen und sogar einem ganzen Gedicht wartete er auf. Einfach ungewöhnlich, wenn dem Publikum "für die freundliche Aufnahme der Darbietung der tief gefühlte Dank abgestattet" wird. Und sogar die überaus charmante Aufforderung, die CD des Ensembles als Weihnachtsgeschenk zu erwerben, erzielte sicher mehr Wirkung als nur etliche wohlwollende Lacher.
Gut verpackt
Es gäbe noch viel zu erzählen von diesem kurzweiligen Abend, der wieder einmal deutlich machte, wie viel wirksamer Musik in der richtigen Verpackung ist und dass ein Schuss Ironie der Selbstdarstellung keinesfalls abträglich ist. Sicher hätten die Donauwörther-Innen den sympathischen Herren aus dem Norden noch viel länger zuhören können und wollen. Na, vielleicht hat der eine oder andere wenigstens die CD, die nun doch nicht "Tante Ingrids Weihnachtsgeschenk" wird.
"Donauwörther Zeitung", Nr.235, Donnerstag, 12.10.2000, Seite 33
Charmante Herren im Frack
Von A. MOTTOK
LÜBECK - Schön war sie, die alte Zeit, als die Herren. noch Fräcke trugen, charmant und mit wohlgesetzten Worten um die Gunst der Angebeteten oder die des Publikums warben, wo die Musik der Operetten und Filme in aller Ohren und Munde war. Ganz und gar gefangen vom Stil dieser Zeit wurde das Publikum im Kolosseum beim Konzert des Lübecker Salon-Ensembles.
Als Schmankerl hatten die Instrumentalisten den Sänger Thomas Mohr mitgebracht. Ein Glücksgriff. Mohr präsentierte die bekanntesten Ohrwürmer der Evergreen-Geschichte in Höchstform. Das Ensemble führte ihn mit seinen schwungvollen und einfallsreichen Arrangements durch alle Tiefen und Untiefen der Unterhaltungsmusik, von Heinrich Streckers "Lobau" über Robert Stolz' "Im Prater blüh'n wieder die Bäume" bis hin zum Film-Evergreen "La Le Lu, nur der Mann im Mond schaut zu".
Die Show war dabei elementarer Bestandteil der Aufführung: Durch den Abend führte Philipp Groß mit wohl formulierten Conférence-Einlagen. Auch die Dramaturgie kam nicht zu kurz, etwa als Thomas Mohr die vermeintliche Baronin (Imke Looft) in großer Eile aus dem Publikum entführte, oder in Kurt Noacks Marsch "Heinzelmännchens Wachtparade". Hier deklamierte Groß zuvor das nicht enden wollende Heinzelmännchen-Gedicht von August Kopisch, zum überzeugend dargebotenen Unmut seiner Kollegen. Das Ensemble wiederum ließ sich von der herrlichen Ausdruckskraft seines Gastsängers zu Höchstleistungen anregen: zu zartem Klangschmelz der "Violin-Directeur" Robert Bejtlich, zu perlenden Schnörkeln der Klarinettist Jörg Peltzer.
"Lübecker Nachrichten", Nr. 112, Sonntag/ Montag, 14./ 15. Mai 2000, Seite 13
"LaLeLu" und andere Hits
beim "5 Uhr Tee-Konzert"
Junge Musiker aus Lübeck begeistern mit Evergreens
lno Lübeck - Wie zu Kaisers Zeiten bei Walzermelodien und Tangoliedern im Kaffeehaus sitzen, Sahnetorte genießen und mit Handkuss begrüßt zu werden, kann es das je wieder geben? Acht junge Musiker sind dabei, diese alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Seit 1996 lädt das Lübecker Salon-Ensemble zu "5 Uhr Tee-Konzerten" ein. Selbstverständlich im Frack bieten sie klassische Unterhaltungsmusik von "anno dazumal" und lassen das Publikum einer Zeit nachträumen, in der noch vornehme Umgangsformen gepflegt wurden.
Bewusst distanziert und kunstvoll sprechen sie ihr Publikum an. Mit Klavier, Violine, Violoncello, Flöte, Kontrabass und Gesang bieten die jungen Leute bekannte Melodien witzig und ironisch dar. "Manchmal geraten wir dabei selber ins Schwelgen und meinen es ganz ernst," gesteht Philipp Groß, Flötist und Sänger des Ensembles.
Mit ihrem Repertoire vom typischen Salonstück, der "Petersburger Schlittenfahrt", dem Operettenschlager "Gern hab' ich die Frau'n geküsst" und bekannten Filmmelodien wie "Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein" oder "LaLeLu" erreichen die 22- bis 33jährigen Musiker - alle Absolventen der Musikhochschule Lübeck überwiegend ein Publikum "ab 40 aufwärts". "Wo können die älteren Leute noch klassische Unterhaltungsmusik hören?" fragt Philipp Groß. Seiner Ansicht nach haben sie kaum eine Chance mehr, wenn sie die moderne nicht mögen. "Toll ist, wenn ich mir ein Stück neu erarbeiten musste und sich im Publikum dann Sänger fanden, die es von früher noch im Ohr hatten", begeistert er sich.
"Die Welt", Nr. 56, Hamburger Ausgabe, Samstag/ Sonntag, 7./ 8. März 1998, Seite 36
Zum Seufzen schön
Salon-Ensemble verwöhnte zum 5-Uhr-Tee mit Stil
Draußen senkte sich die Dämmerung nieder, drinnen flackerten die Kerzen, und erwartungsvolle Stille herrschte, als pünktlich um fünf Uhr das Lübecker Salon-Ensemble ein ganz besonderes Erlebnis zu Kuchen, Tee, Kaffee und auch dem Glas Rotwein servierte: Nostalgie pur. "Hochgeschätztes Publikum": In charmant-amüsanter Art moderierte Philipp Groß durch den Nachmittag, plauderte in fröhlich geschwungenen Sätzen von gräfischen Lebemännern und ihren verwobenen Bindungen zu den "drei armen kleinen Mädels", amourösen Schelmen und Schurken, zarten Liebesbanden und sonstigen Herzensangelegenheiten, um die sich die sentimentalen Klassiker drehten. Aus einer Zeit, in der die Männer noch echte Kavaliere waren und mit Handkuss um ihre Damen warben, sang das Ensemble Lieder zum Seufzen schön "Bel Ami" und "Die Nacht ist nicht allein zum Schlafen da", Schmachtfetzen wie "Wie hab' ich nur leben können ohne dich" von Friedrich Hollaender oder "Die Männer sind schon die Liebe wert".
Aber auch Temperamentvolles wie die "Schöne Isabella von Kastilien" oder der "Tango Granada" erhielten den liebevollen Applaus der 350 Gäste, wobei als Runninggag Sänger Christian Grygas aus Lübeck solange schelmisch mit den Kastagnietten oder anderen Rhythmus-Instrumenten hantierte und verdutzte Blicke um sich warf, bis das Publikum kicherte. Kein Wunder, dass da Zugaben fällig waren - und auf die unvermeidliche Frage "Gnä' Frau, wo warn Sie gestern ... mit ihren Schwestern?" werden einige Neumünsteraner(innen) ihren Lieben erzählt haben, dass sie ein paar wunderschöne Momente; schwelgend in guter alter Nostalgie, genießen durften. (vaq)
"Holsteinischer Courier", Nr. 26, Dienstag, 1. Februar 2000, Seite 11
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